Archiv für die Kategorie 'Nachhaltigkeit'
Warum ich in Brasilien Vegetarier wurde
Schluss mit grünem Punkt?
Christian |
Freitag, den 30. November 2007 um 09:26 Uhr
Nur eine kleine Bemerkung, auch wenn der Anlass schon etwas her ist und ich es nicht schaffe über alles in Deutschland auf dem Laufenden zu bleiben:
Glos gegen Grünen Punkt (taz.de)
Haut den Grünen Punkt in die Tonne (faz.de)
Es ist schon spannend, wie ein kleiner Buchstabe am Anfang einer Domain so große Meinungs-Unterschiede symbolisieren kann.
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Gott sei Dank, es ist Sonntag!
Christian |
Montag, den 26. November 2007 um 08:25 Uhr
Was bedeutet der Sonntag noch in einer mehr und mehr säkularen Gesellschaft? Und was bedeutet er für Christinnen und Christen in Deutschland und über die deutschen Grenzen hinaus, an einem besonderen Tag in der Woche festzuhalten? Und wieso sollten alle Menschen in Deutschland an der Sonntagsruhe festhalten, wenn 1. in vielen anderen Ländern schon seit etlichen Jahren diese nicht mehr von großer Bedeutung ist, und wenn 2. Deutschland im internationalen Wettbewerb mithalten will?
Besonders seitdem mit der Föderalismusreform Ladenöffnungen am Sonntagen immer mehr zur Gewohnheit werden, wird das Thema der Sonntagsruhe besonders von den (evangelischen wie katholischen) Kirchen wieder ins Gespräch gebracht. Die EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) hat hierzu nun eine Kampagne begonnen und stellt auf dieser Internetseite viele Informationen, Sichtweisen und Hinweise zum Nach- und Weiterdenken zur Verfügung.
Dabei geht es nicht nur um eine kleinliche Diskussion darüber, ob der Nachbar sonntags sein Auto waschen oder die Nachbarin die Hecke scheren darf. Es steht viel mehr die Frage im Raum, was uns eigentlich als Menschen ausmacht: Ist es essenziell wichtig für uns, dass wir am Sonntag (zum Beispiel) einkaufen gehen können? Brauchen wir also das Shoppen so unbedingt, dass wir ohne nicht leben könnten? Ist der Konsum so bedeutend für uns, dass wir jeden Tag und jede Stunde unseres Lebens damit füllen müssen - oder wenigstens die Möglichkeit dafür 24h/7Tage offen halten müssen?
Oder laufen wir mit dieser Sichtweise Gefahr, dass wir uns durch die unbegrenzte Freiheit zum Einkaufen auch die Verpflichtung einheimsen, unbegrenzt für unsere Chefs und ArbeitgeberInnen, für Firmen, Institutionen und “zum Wohle Deutschlands” verfügbar zu sein? - Und das dann auch rund um die Uhr, 24 Stunden pro Tag und 7 Tage in der Woche? Von welcher Freiheit wird da gesprochen, wenn wir uns von der “Last des Sonntags” be-freien wollen?
Ich denke, es lohnt sich, dieser Frage nachzugehen und kann den Link zur Sonntagsruhekampagne nur empfehlen.
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Gehacktes
Christian |
Dienstag, den 30. Oktober 2007 um 09:44 Uhr
Nach einem Wochenende unter Gauchos im Zentrum von Rio Grande do Sul, wo wir als Vegetarier wirklich einen schweren Stand hatten, bin ich echt dankbar für dieses Video, das mir endlich verständlich gemacht hat, wieso ich immer so unlogisch gedacht habe - da konnte mich ja kein Gaucho verstehen - “Gehacktes” von Volker Struebing:
Es lohnt sich übrigens, bei YouTube die verlinkten Videos anzuschauen…
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Klimawandel: Nur Medienhysterie?
Christian |
Mittwoch, den 19. September 2007 um 13:59 Uhr
Über einen Artikel in der FAZ, der sich kritisch mit einem vorausgehenden Artikel eines der bekanntesten Klimaforscher Deutschlands, Stefan Rahmstorf beschäftigte, bin ich auf einige interessante Gedanken gestoßen.
1.) Die Leser(innen?) der FAZ-Online sind gespalten, genauso wie die eigenen AutorInnen, was sich in der Rubrik “Klimawandel” oder z. B. in der Online-Umfrage zu diesem Thema wiederspiegelt. - Da hätte ich eine noch wesentlich weniger “progressistische” Haltung erwartet.
2.) Es ist wichtig, seine eigene Position in dieser Thematik regelmäßig neu zu überdenken, um sich nicht von unwissenschaftlicher Falschinformation beeinflussen zu lassen. Ganz gleich, von und zu welcher Position man danach (wieder) kommt.
3.) Ein Kommentar von Matthias Horx auf der liberalen Seite “Die Achse des Guten” zeigt mir, dass die Klimadiskussion einige Nähe zur Theologie und Religion hat. Und die Art der Diskussion um den “Klimaglauben” kann sich möglicherweise - ob liberal oder radikal - mit den Auseinandersetzungen unter Christen (und anderen Religionen) vergleichen lassen. - Eine interessante Sichtweise, so kritisch ich seinen und weitere Kommentare auch lesen mag.
4.) Ganz gleich, bei wem man die Ursache für die Klimaveränderung sucht: Wir haben anderen Menschen und der Umwelt, in der wir leben gegenüber die Verpflichtung, verantwortlich und solidarisch in dieser Welt zu leben. Die aktuellen Katastrophen in Afrika sind dabei eine der Herausforderungen, durch die wir gefragt werden: Seid ihr fähig, das Leid, das euch von der Natur (oder von euch selbst) widerfährt, gemeinsam zu meistern?
Die Veränderungen des Klimas sind nicht nur eine Gefahr, das mit Sicherheit. Sie sind aber auch eine Anfrage an uns, ob wir menschlich leben können. Können wir uns von unserer eigenen zerstörerischen Natur emanzipieren und für- anstatt gegeneinander handeln? Können wir Technologien entwickeln, die allen Menschen ein würdigeres Leben ermöglichen? Können wir unseren Egoismus überwinden und in eine Dynamik des gemeinsamen Handelns umwandeln? Anhand der Probleme, vor welche uns die Natur in der kommenden Zeit stellen wird, müssen wir zeigen, ob wir es wert sind, uns mit den - positiv ausgelegten - Begriffen “Kultur” und “Zivilisation” zu schmücken.
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Die Herausforderung
Sieben oder acht Wochen sind es jetzt schon. - In einer Region mit dem höchsten Fleischkonsum weltweit. Ich könnte auch sagen: Die Kultur in Rio Grande do Sul definiert sich über Matetee (Chimarrão), Männlichkeit, Nationalstolz und … Churrasco (das filigrane Grillen üppiger Fleischberge, die einem in Restaurants mit rustikalem Ambiente von Kellnern in weiten Hosen und mit breiten Hüten an langen Spießen am Tisch angeschnitten werden). - Für die Möglichkeit, ohne ein einziges Stück Tier am Tag über die Runden zu kommen hat die Evolution im Süden Brasiliens sozusagen keine Reserve an Gehirnzellen vorgesehen.
Die Situation
Das bringt meine prekäre Situation in den vergangenen Wochen vielleicht in ein verständlicheres Licht. Denn seit eineinhalb Monaten bin ich Vegetarier. Und mein Kulturschock spielt sich noch einmal auf eine ganz neue Art und Weise ab.
Die Fragen
So viel als Einleitung (vielleicht schreibe ich im Bereich Brasilien noch einmal etwas mehr darüber). Das Interessante am Vegetarier-Sein ist eigentlich nicht die Frage, wie ich mich eigentlich ohne Fleisch ernähren soll, sondern wie die Menschen auf einen reagieren. - Und dass sie Fragen stellen. Und weil ich vor Kurzem einmal ganz direkt nach den Gründen gefragt wurde, warum ich denn Vegetarier geworden bin, dachte ich, dass es eine gute Idee wäre, diese Gründe ausführlich im Blog zu sammeln. Denn mal los:
Was geschieht?
Zuerst gebe ich eine kurze Übersicht über meine Gründe. Danach kommen einige Links zum Thema, um sich weiter zu informieren. Und zum Schluss schreibe ich noch einige ausführliche Gedanken, die mich bei diesem Thema gerade besonders beschäftigen.
Die Gründe
Meine Gründe dafür wurden mit der Zeit immer mehr. Aber sie fußen auf zwei großen Bereichen. Ich nenne sie einmal den unmittelbaren oder sichtbaren Bereich und den mittelbaren oder “unsichtbaren”Bereich.
Die Gründe aus dem unmittelbaren Bereich sind schnell genannt.
Die Gründe aus dem mittelbaren Bereich sind komplexer, aber ich fasse auch sie kurz zusammen:
Die Konsequenz?
Rein rational gibt es glaube ich hierunter für jede und jeden einleuchtende Argumente auf Fleisch zu verzichten. Aber ich unterstelle, aus meiner Erfahrung, dass es insgesamt schwer ist, eine so konsequente Entscheidung zu treffen, obwohl ich mit der Idee schon einverstanden bin. Für mich kam der letzten Anstoß dadurch, dass ich mir ganz deutlich bewusst gemacht und innerlich vorgestellt habe, was alles damit zusammenhängt, dass ich Fleisch esse.
Das erste Nachdenken
Und meine Anregung ist, bevor ihr euch die folgenden Links anseht, den Computer kurz auf Stand-By zu stellen, und sich ein, zwei Minuten zu überlegen, welche Zusammenhänge euch selbst bewusst sind. - Welche Konsequenzen hat der weltweite Fleischkonsum für euch? Und was ist die Situation der zu verarbeitenden Tiere?
Ich unterstelle auch hier, dass allen eigene Gründe einfallen.
Hier nun zu einigen Gründen, Argumenten und Kritiken aus anderen Quellen:
Die Links
15 Fragen zum Thema Fleisch
PETA2 - 10 Gründe Vegetarier zu werden (Video-Clip)
Ein ausführlicher und kritischer Artikel in der Wikipedia über Vegetarismus
Der “Einsteigerbereich” des Vegetarier-Bundes Deutschland e. V.
Eine Liste von erläuterten Gründen
Meine eigenen Gedanken
Gesundheit
Dieser Bereich lässt sich verhältnismäßig schnell erklären: Ausgehend zum Beispiel von der Ernährungspyramide ist es alles andere als gesund, sich ausgiebig von tierischen Produkten zu ernähren. Tierische Fette (ausgenommen die von Geflügel und Fisch) beispielsweise sind eher gesundheitsschädlich. Hinzu kommt, dass Tiere aus konventioneller Haltung mit Medikamenten (Antibiotika, Anabolika) “behandelt” werden, die natürlich im “Produkt” verbleiben. - Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist also keineswegs auf Fleisch angewiesen. Soweit sie abwechslungsreich und vor allem bewusst ist, ist Fleisch dann nicht nur überflüssig, sondern eher hinderlich oder sogar schädlich.
Ökologie
Jetzt könnte man gegen diesen Einwand zum Beispiel auch sagen: Gut, aber es gibt auch Fleisch aus ökologischem Anbau, das weitgehend frei von Medikamenten und Rückständen von Sonderfutter ist, weil der größte Teil davon nach EU- oder Verbandsrichtlinien der Biolandwirte verboten sind. Einerseits bleibt dann immer noch der Aspekt, dass Fleisch dennoch für die Ernährung nicht die beste Wahl ist. Und andererseits habe ich mich darüber hinaus gefragt: Selbst wenn es Biofleisch ist: Kann Fleisch überhaupt ökologisch sein?
Dazu ein paar Hintergrundgedanken. Mehr oder weniger kann man sagen, dass alles in allem für eine Mahlzeit mit großem Fleischanteil so viel Energie und Nahrungsmittel verbraucht wurden, dass es für zehn fleischlose Mahlzeiten auf Getreidebasis gereicht hätte.
Daraus kann nun nicht unmittelbar die Rechnung gemacht werden, dass, wenn wir nur nicht so viel Fleisch äßen, allen anderen Menschen auf der Welt genug zu essen hätten. Dafür sind auch politische Gründe verantwortlich. Aber mit einem Blick auf das Ganze des Systems weltweiten Fleischessens denke ich schon. Denn:
Ein großer Teil der Futtermittel konventionell gehaltener Tiere ist (genmanipulierte) Soja. Da das Klima in den meisten Teilen Europas nicht - oder ich sage lieber “noch nicht” - geeignet ist, um Soja anzubauen, muss diese importiert werden. Hauptproduzenten von Soja sind dabei die USA und BRASILIEN.
Und genauer gesagt ist es nicht Brasilien als ganzes, sondern vor allem der Norden, das Gebiet des Amazonas. Dort werden große Flächen an Wald gerodet, um Monokulturen von Soja anzubauen. Weil Soja dabei einerseits so viel Wasser benötigt und andererseits dem Boden so viele Nährstoffe entzieht, dass praktisch keine fruchtbare Erde - die im Amazonasgebiet ohnehin sehr spärlich ist - mehr übrig bleibt, gibt es ein mehrfaches Desaster: Zerstörung des Regenwalds und Förderung der Klimaveränderung, Aufbrauchen wichtiger Ressourcen für eine mögliche Wiederaufforstung und massiver Wasserverbrauch.
Ich habe schon vor einiger Zeit hier (antispe.org) einen sehr guten Beitrag zum Thema Soja gelesen.
Weil nun so derart viel Fleisch in Europa und anderen “Industrieländern” gegessen wird (auch in Brasilien selbst…), sind dafür Unmengen an Futtermittel nötig. Beispiel Brasilien: In Brasilien werden 70% der gesamten Getreideproduktion für die Ernährung von zu essenden Tieren verwendet!
Gerechtigkeit
Dahinter stehen Anbauflächen, die anderen Menschen, die naturfreundlicher wirtschaften, als Nahrungsgrundlage gedient hätten. Diese werden durch den Anbau von Soja und anderen Futtermitteln unbrauchbar gemacht. Durch die Erwärmung des Planeten mangels Amazonasregenwald und anderer bewaldeter Flächen weltweit wachsen die vertrockneten Landschaften auf der ganzen Welt und weitere Menschen verlieren die Möglichkeit, sich durch Landwirtschaft selbst zu versorgen.
Hier ein aufschlussreicher Artikel zum Thema.
Es sind also einerseits die Tiere und die Natur insgesamt, die unter dem großen Druck der Fleischproduktion leiden. Andererseits werden viele Menschen durch Großgrundbesitzer, die Soja anbauen, unterdrückt, ausgebeutet und wiederum andere leiden darunter, dass sie sich nicht mehr von der eigenen Landwirtschaft ernähren können. Damit werden auch sie wiederum abhängig von größeren Betrieben, Institutionen, die sie weiter ausbeuten.
Dieses System der Ignoranz und Ausbeutung ist dabei natürlich nicht nur auf die Folgen des Fleischessens begrenzt. Denn auch Sojamilch oder Tofu kommen ja vor allem aus Brasilien und anderen Ländern, die ich gerade beschrieben habe.
Es geht mir also nicht nur darum, einfach kein Fleisch zu essen. Noch wichtiger ist für mich, mir bewusst zu machen, in welchen meinen Bereichen meines Lebens ich in Zusammenhängen stehe, die schlecht und ungerecht sind. Theologisch gesprochen versuche ich also die Sünde in meinem Handeln zu entdecken und das Böse zu vermeiden.
Und ich suche nach einem Weg, Nächstenliebe zu leben. Und Nächstenliebe lebt sich nicht nur durch den unmittelbaren Umgang mit den Menschen, die ich direkt sehen kann. Denn durch den Heiligen Geist ist mir jede und jeder mein Nächster. - In der Epoche der Globalisierung und weltweiten Vernetzung können wir wohl diesen Umstand noch viel tiefer verstehen als die Generationen vor uns. - Diese Vernetzung fordert uns aber auch zu einem weiteren, eben vernetzten Denken heraus, in dem weltweite Zusammenhänge auch für mein persönliches Leben relevant und wichtig werden muss.
Anregungen
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