Wie vertrauenswürdig sind “Gehirn-Ratgeber”?
Dienstag, den 10. Juni 2008 um 19:30 Uhr
“Kaufe mein Buch und ich verrate dir, wie dein Gehirn funktioniert.” - Vermutlich ist es dieser Satz, den Nicole Becker in ihrem FAZ Artikel “Reißt die Zeitfenster zum Lernen auf!” kritisiert. - Und das zu Recht. Denn “Gehirn-Ratgeber” füllen ganze Regalwände in Bahnhofsbuchhandlungen und verlangen für bisweilen nicht einmal 100 Seiten Anleitung zum Super-Denken unglaubliche Summen. Aber: Teuer ist doch gut, oder? Und schließlich geht es um mein Gehirn, das ich ordentlich bedienen muss.
Die Ausbeute ist jedoch nach Becker recht fade. Denn viele selbsternannte Lernapostel betreiben gerne Panikmache, um ihre Bücher unter’s Volk zu bringen. - Wenn ich meinen Kindern nicht zur richtigen Zeit dies und jenes beibringen konnte, wird seine Entwicklung bedeutend beeinträchtigt sein. - Was natürlich Quatsch ist, richtig, Frau Becker. Und ich denke auch, ohne ein tiefgehendes fachliches Urteil fällen zu können, dass es erschreckend ist, wie viel Umsatz mit Scharlatanerie im Bereich Didaktik und Lernmethodik gemacht wird.
Nur für eine ernstzunehmende Wissenschaftlerin vermisse ich doch, selbst in einem Kommentar in der FAZ, die nötige Differenziertheit. - Und im Schluss gleitet Becker gar ins Absurde, wenn sie gegen Birkenbihl polemisiert “Gehirngerecht bedeutet hier vor allem, dass etwas Spaß bereiten muss.” frage ich mich haareraufend: “Ja, was denn sonst?!”
Zudem ist es ungemein verkürzt und wissenschaftlich unredlich, Birkenbihl und andere auf bloße AuslegerInnen der Hirnforschung zu reduzieren. - Literaturverzeichnisse gelesener AutorInnen sind in solchen Fällen eine große Hilfe, habe ich zumindest in meinen Proseminaren gelernt. - Besonders wenn die Zeit schon nicht zum Lesen, geschweige denn zum Erproben reicht, wäre doch dies ein Mindestes. Verzeihung, Frau Becker, aber sie haben Ihre Hausaufgaben nicht sauber gemacht. - Und das meine ich durchaus wörtlich. Denn es ist mir bisher noch kein Mensch begegnet, der sich auf Birkenbihlsches Lernen eingelassen hätte und nicht eine deutliche Erleichterung in seinem oder ihrem Lernen festgestellt hätte!
Aber erziehungswissenschaftliche Methodenanalyse empirisch zu betreiben, das scheint für Frau Becker nun doch zu nah am eigentlichen Gegenstand ihres Faches zu liegen.


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