Archiv für Dezember 2007
Von uns gegangen: Die Privatsphäre
Christian in Belém erreichen
Christian |
Freitag, den 21. Dezember 2007 um 21:43 Uhr
Für diejenigen, die mich schnell hier in Belém erreichen wollen: Ich habe eine neue Handynummer, über die ihr mich spontan anrufen könnt. Die Nummer und die Adresse aus Belém findet ihr im Brasilien-Bereich.
1 Kommentar » | Gepostet in: Brasilien, Neuigkeiten
Praktikum und Erreichbarkeit
Christian |
Montag, den 10. Dezember 2007 um 10:16 Uhr
Ein kurze Notiz für alle, die mich in nächster Zeit erreichen wollen:
Von heute (Nacht) bis zum 08.02.2008 werde ich zu einem Praktikum in Belém/Pará in Brasilien sein. Zum Ende der Zeit reise ich noch durch Brasilien. Mit meiner Erreichbarkeit wird es deshalb schlecht gestellt sein.
Ab dem 09.02.2008 werde dann ich auf deutschem Boden wieder ansprechbar und in Darmstadt erreichbar sein.
Keine Kommentare » | Gepostet in: Neuigkeiten
Warum ich in Brasilien Vegetarier wurde
Christian |
Donnerstag, den 06. Dezember 2007 um 09:29 Uhr
Die Herausforderung
Sieben oder acht Wochen sind es jetzt schon. - In einer Region mit dem höchsten Fleischkonsum weltweit. Ich könnte auch sagen: Die Kultur in Rio Grande do Sul definiert sich über Matetee (Chimarrão), Männlichkeit, Nationalstolz und … Churrasco (das filigrane Grillen üppiger Fleischberge, die einem in Restaurants mit rustikalem Ambiente von Kellnern in weiten Hosen und mit breiten Hüten an langen Spießen am Tisch angeschnitten werden). - Für die Möglichkeit, ohne ein einziges Stück Tier am Tag über die Runden zu kommen hat die Evolution im Süden Brasiliens sozusagen keine Reserve an Gehirnzellen vorgesehen.
Die Situation
Das bringt meine prekäre Situation in den vergangenen Wochen vielleicht in ein verständlicheres Licht. Denn seit eineinhalb Monaten bin ich Vegetarier. Und mein Kulturschock spielt sich noch einmal auf eine ganz neue Art und Weise ab.
Die Fragen
So viel als Einleitung (vielleicht schreibe ich im Bereich Brasilien noch einmal etwas mehr darüber). Das Interessante am Vegetarier-Sein ist eigentlich nicht die Frage, wie ich mich eigentlich ohne Fleisch ernähren soll, sondern wie die Menschen auf einen reagieren. - Und dass sie Fragen stellen. Und weil ich vor Kurzem einmal ganz direkt nach den Gründen gefragt wurde, warum ich denn Vegetarier geworden bin, dachte ich, dass es eine gute Idee wäre, diese Gründe ausführlich im Blog zu sammeln. Denn mal los:
Was geschieht?
Zuerst gebe ich eine kurze Übersicht über meine Gründe. Danach kommen einige Links zum Thema, um sich weiter zu informieren. Und zum Schluss schreibe ich noch einige ausführliche Gedanken, die mich bei diesem Thema gerade besonders beschäftigen.
Die Gründe
Meine Gründe dafür wurden mit der Zeit immer mehr. Aber sie fußen auf zwei großen Bereichen. Ich nenne sie einmal den unmittelbaren oder sichtbaren Bereich und den mittelbaren oder “unsichtbaren”Bereich.
Die Gründe aus dem unmittelbaren Bereich sind schnell genannt.
- Die Haltung der Tiere in konventioneller Landwirtschaft ist unwürdig.
- Die menschliche Ernährung ist nicht auf Fleisch angewiesen.
- In größeren Mengen ist Fleisch sogar ungeeignet für eine ausgewogene Ernährung.
- Die Verarbeitung von Fleisch ist ein heikler Prozess mit vielen qualitativen Schwachstellen.
- Tiere aus konventioneller Haltung werden mit großen Mengen an Medikamenten und Anabolika behandelt.
- Anderes Leben für den eigenen Nutzen zu beenden ist sündiges Handeln.
- Es gibt unendlich viele schmackhafte Alternativen zu Fleisch! (Hier nur ein Link als Beispiel…)
Die Gründe aus dem mittelbaren Bereich sind komplexer, aber ich fasse auch sie kurz zusammen:
- Die Ernährung von Nutztieren trägt zur Zerstörung des amazonischen Regenwaldes bei.
- Fleischkonsum - konventionell und biologisch - trägt stark zur Erwärmung des Planeten bei.
- Fleisch ist aus der Perspektive der Nachhaltigkeit ein ineffizienter Energieträger.
- Dadurch, dass ein Teil der Menschheit Fleisch konsumiert, werden vielen anderen Menschen auf der Welt deren Ernährungsmöglichkeiten entzogen.
- Der weltweite Fleischkonsum schränkt die Möglichkeiten für die Erzeugung erneuerbarer Energien ungemein ein.
Die Konsequenz?
Rein rational gibt es glaube ich hierunter für jede und jeden einleuchtende Argumente auf Fleisch zu verzichten. Aber ich unterstelle, aus meiner Erfahrung, dass es insgesamt schwer ist, eine so konsequente Entscheidung zu treffen, obwohl ich mit der Idee schon einverstanden bin. Für mich kam der letzten Anstoß dadurch, dass ich mir ganz deutlich bewusst gemacht und innerlich vorgestellt habe, was alles damit zusammenhängt, dass ich Fleisch esse.
Das erste Nachdenken
Und meine Anregung ist, bevor ihr euch die folgenden Links anseht, den Computer kurz auf Stand-By zu stellen, und sich ein, zwei Minuten zu überlegen, welche Zusammenhänge euch selbst bewusst sind. - Welche Konsequenzen hat der weltweite Fleischkonsum für euch? Und was ist die Situation der zu verarbeitenden Tiere?
Ich unterstelle auch hier, dass allen eigene Gründe einfallen.
Hier nun zu einigen Gründen, Argumenten und Kritiken aus anderen Quellen:
Die Links
PETA2 - 10 Gründe Vegetarier zu werden (Video-Clip)
Ein ausführlicher und kritischer Artikel in der Wikipedia über Vegetarismus
Der “Einsteigerbereich” des Vegetarier-Bundes Deutschland e. V.
Eine Liste von erläuterten Gründen
Meine eigenen Gedanken
Gesundheit
Dieser Bereich lässt sich verhältnismäßig schnell erklären: Ausgehend zum Beispiel von der Ernährungspyramide ist es alles andere als gesund, sich ausgiebig von tierischen Produkten zu ernähren. Tierische Fette (ausgenommen die von Geflügel und Fisch) beispielsweise sind eher gesundheitsschädlich. Hinzu kommt, dass Tiere aus konventioneller Haltung mit Medikamenten (Antibiotika, Anabolika) “behandelt” werden, die natürlich im “Produkt” verbleiben. - Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist also keineswegs auf Fleisch angewiesen. Soweit sie abwechslungsreich und vor allem bewusst ist, ist Fleisch dann nicht nur überflüssig, sondern eher hinderlich oder sogar schädlich.
Ökologie
Jetzt könnte man gegen diesen Einwand zum Beispiel auch sagen: Gut, aber es gibt auch Fleisch aus ökologischem Anbau, das weitgehend frei von Medikamenten und Rückständen von Sonderfutter ist, weil der größte Teil davon nach EU- oder Verbandsrichtlinien der Biolandwirte verboten sind. Einerseits bleibt dann immer noch der Aspekt, dass Fleisch dennoch für die Ernährung nicht die beste Wahl ist. Und andererseits habe ich mich darüber hinaus gefragt: Selbst wenn es Biofleisch ist: Kann Fleisch überhaupt ökologisch sein?
Dazu ein paar Hintergrundgedanken. Mehr oder weniger kann man sagen, dass alles in allem für eine Mahlzeit mit großem Fleischanteil so viel Energie und Nahrungsmittel verbraucht wurden, dass es für zehn fleischlose Mahlzeiten auf Getreidebasis gereicht hätte.
Daraus kann nun nicht unmittelbar die Rechnung gemacht werden, dass, wenn wir nur nicht so viel Fleisch äßen, allen anderen Menschen auf der Welt genug zu essen hätten. Dafür sind auch politische Gründe verantwortlich. Aber mit einem Blick auf das Ganze des Systems weltweiten Fleischessens denke ich schon. Denn:
Ein großer Teil der Futtermittel konventionell gehaltener Tiere ist (genmanipulierte) Soja. Da das Klima in den meisten Teilen Europas nicht - oder ich sage lieber “noch nicht” - geeignet ist, um Soja anzubauen, muss diese importiert werden. Hauptproduzenten von Soja sind dabei die USA und BRASILIEN.
Und genauer gesagt ist es nicht Brasilien als ganzes, sondern vor allem der Norden, das Gebiet des Amazonas. Dort werden große Flächen an Wald gerodet, um Monokulturen von Soja anzubauen. Weil Soja dabei einerseits so viel Wasser benötigt und andererseits dem Boden so viele Nährstoffe entzieht, dass praktisch keine fruchtbare Erde - die im Amazonasgebiet ohnehin sehr spärlich ist - mehr übrig bleibt, gibt es ein mehrfaches Desaster: Zerstörung des Regenwalds und Förderung der Klimaveränderung, Aufbrauchen wichtiger Ressourcen für eine mögliche Wiederaufforstung und massiver Wasserverbrauch.
Ich habe schon vor einiger Zeit hier (antispe.org) einen sehr guten Beitrag zum Thema Soja gelesen.
Weil nun so derart viel Fleisch in Europa und anderen “Industrieländern” gegessen wird (auch in Brasilien selbst…), sind dafür Unmengen an Futtermittel nötig. Beispiel Brasilien: In Brasilien werden 70% der gesamten Getreideproduktion für die Ernährung von zu essenden Tieren verwendet!
Gerechtigkeit
Dahinter stehen Anbauflächen, die anderen Menschen, die naturfreundlicher wirtschaften, als Nahrungsgrundlage gedient hätten. Diese werden durch den Anbau von Soja und anderen Futtermitteln unbrauchbar gemacht. Durch die Erwärmung des Planeten mangels Amazonasregenwald und anderer bewaldeter Flächen weltweit wachsen die vertrockneten Landschaften auf der ganzen Welt und weitere Menschen verlieren die Möglichkeit, sich durch Landwirtschaft selbst zu versorgen.
Hier ein aufschlussreicher Artikel zum Thema.
Es sind also einerseits die Tiere und die Natur insgesamt, die unter dem großen Druck der Fleischproduktion leiden. Andererseits werden viele Menschen durch Großgrundbesitzer, die Soja anbauen, unterdrückt, ausgebeutet und wiederum andere leiden darunter, dass sie sich nicht mehr von der eigenen Landwirtschaft ernähren können. Damit werden auch sie wiederum abhängig von größeren Betrieben, Institutionen, die sie weiter ausbeuten.
Dieses System der Ignoranz und Ausbeutung ist dabei natürlich nicht nur auf die Folgen des Fleischessens begrenzt. Denn auch Sojamilch oder Tofu kommen ja vor allem aus Brasilien und anderen Ländern, die ich gerade beschrieben habe.
Es geht mir also nicht nur darum, einfach kein Fleisch zu essen. Noch wichtiger ist für mich, mir bewusst zu machen, in welchen meinen Bereichen meines Lebens ich in Zusammenhängen stehe, die schlecht und ungerecht sind. Theologisch gesprochen versuche ich also die Sünde in meinem Handeln zu entdecken und das Böse zu vermeiden.
Und ich suche nach einem Weg, Nächstenliebe zu leben. Und Nächstenliebe lebt sich nicht nur durch den unmittelbaren Umgang mit den Menschen, die ich direkt sehen kann. Denn durch den Heiligen Geist ist mir jede und jeder mein Nächster. - In der Epoche der Globalisierung und weltweiten Vernetzung können wir wohl diesen Umstand noch viel tiefer verstehen als die Generationen vor uns. - Diese Vernetzung fordert uns aber auch zu einem weiteren, eben vernetzten Denken heraus, in dem weltweite Zusammenhänge auch für mein persönliches Leben relevant und wichtig werden muss.
Anregungen
- Wie wäre es, die Advents- und Weihnachtszeit anders zu verbringen? Nämlich vegetarisch! Die Aktionsseite “Vegetarische Weihnachten 2007″ bietet viele Ideen, Anregungen und Rezepte. - Die Links kann ich sehr empfehlen!
- Es gibt auch Vegetarier in Brasilien! - Hier ein Link zur Sociedade Vegetariana Brasileira
- Eine sehr abgefahrene Aktion, bei der ihr euch die Frage stellen könnt: “Sind Pelzmäntel sexy?” findet ihr hier: Steve-O - I’d rather go naked than wear fur.
- Im Brasilien-Bereich habe ich auch noch einen Beitrag geschrieben, der sich auch mit dem Thema beschäftigt.
Keine Kommentare » | Gepostet in: Brasilien, Nachhaltigkeit, Politik


Ich trauere mit, aus der Ferne, die - in dieser Hinsicht leider - nicht mehr lange so fern sein wird:
Keine Kommentare » | Gepostet in: Politik